Wer zahlt die Scheidungskosten? Die Zusammensetzung

In den seltensten Fällen verläuft eine Scheidung einvernehmlich. Stattdessen gehen ihr in der Regel zahlreiche Schwierigkeiten, Probleme, verletzte Gefühle und ähnliches voraus. All das lässt sich mit dem Plan, die Scheidung einzureichen, nicht plötzlich ignorieren. Deshalb entsteht ein großer Aufwand, durch den eine Scheidung Kosten verursacht. Diese schwanken extrem. Da es sich immer um einen individuellen Fall handelt, kann nicht allgemein vorausgesagt werden, was für Kosten bei Ihrer Scheidung auf Sie zukommen. Einige Anhaltspunkte bieten Ihnen jedoch die folgenden Absätze.

Was kostet eine Scheidung?

Die Scheidungskosten setzen sich aus mehreren verschiedenen Komponenten zusammen. In jedem Fall muss Ihre Ehe von einem Gericht beendet werden. Dieses arbeitet natürlich nicht umsonst. Diesen Kosten einer Scheidung gehen regelmäßig Anwaltskosten voraus.

 

  • Anwaltskosten für eine Scheidung

 

Kämpfen Sie und Ihr ehemaliger Partner um das Sorgerecht, das Haus, Geld oder Besitztümer, brauchen Sie beide jeweils einen Anwalt, der Sie bei Güteverhandlungen und vor Gericht vertritt. Bei einer einvernehmlichen Scheidung benötigen Sie ebenfalls einen Anwalt, der für Sie die Scheidung einreicht. In einem solchen Fall reicht jedoch ein gemeinsamer Anwalt. Dieses Vorgehen hält die Scheidungskosten gering. Damit niemand in einer Notsituation ausgenutzt wird, gibt es im RVG entsprechende gesetzliche Vorgaben. Dieses Gesetz besagt unter anderem, dass für das erste Gespräch eine Beratungsgebühr in Höhe von maximal 190 EUR netto fällig wird. Für alle darauffolgenden Tätigkeiten des Anwalts erhält dieser ein Honorar, welches sich nach dem Verfahrenswert und nach dem Umfang der Tätigkeit richtet.

 

  • Gerichtskosten für eine Scheidung

 

Jede Scheidung kostet Gerichtskosten, die von den Prozessparteien auszugleichen sind. Die Scheidungskosten vor Gericht lassen sich in zwei Teile aufgliedern:

  • Es fallen unter anderem Kosten für die Beschaffung von Beweisen und die Erstellung von Gutachten an. Sollten Zeugen notwendig werden, muss diesen der Verdienstausfall ersetzt werden. Nicht zuletzt kostet auch das Versenden von Vorladungen und das Ausdrucken der Akte Geld. Damit der Staat nicht auf den Ausgaben sitzenbleibt, muss das ehemalige Ehepaar die Kosten tragen. Die Berechnung erfolgt nach festgesetzten Pauschalen (wie Versandkosten) und zum anderen nach tatsächlichen und nachprüfbaren Kosten (wie Verdienstausfälle von Zeugen).
  • Weiterhin müssen Sie bei der Berechnung Ihrer voraussichtlichen Scheidungskosten die gerichtliche Gebühr miteinbeziehen. Diese verlangt das Gericht dafür, dass es in Ihrem Fall tätig wird. Der konkrete Betrag hängt vom Verfahrenswert ab. In die Berechnung fließen zahlreiche Faktoren mit ein. Dazu gehören beispielsweise das Einkommen der Ehepartner, Ihr Vermögen, Unterhaltspflichten, die Anzahl der erworbenen Rentenanwartschaften und die Frage, worum genau gestritten wird.

Im Zweifel können die Gerichtskosten sehr hoch ausfallen. Im Normalfall muss jeder der Geschiedenen die Hälfte übernehmen. Das gilt jedoch nicht für die Anwaltskosten, die jeder für sich selbst begleichen muss.

Scheidungskosten – Gibt es Möglichkeiten Geld zu sparen?

Die einfachste Variante Scheidungskosten gering zu halten, ist eine einvernehmliche Scheidung. In solch einem Fall brauchen Sie nur ein Formular ausfüllen. Ein Anwalt übernimmt das Einreichen der sogenannten Online Scheidung. Die Kosten sind deutlich geringer als bei einer normalen Scheidung. Allerdings müssen Sie drei Voraussetzungen erfüllen:

  • Das Trennungsjahr ist vorüber
  • Beide Partner stimmen der Scheidung zu
  • Sie haben alle möglichen Streitpunkte einvernehmlich geklärt.

Kommt diese Variante nicht in Betracht, können Sie Verfahrenskostenhilfe beantragen. Der Antrag hat aber nur Aussicht auf Erfolg, wenn Sie zu wenig verdienen, um die Kosten selbst zu tragen. Außerdem muss auch die Scheidung selbst Aussicht auf Erfolg haben.

Wie berechne ich die Scheidungskosten?

Vermutlich ist Ihnen bereits aufgefallen, dass die Scheidungskosten von zahlreichen einzelnen Faktoren abhängen. Als Laie lassen sich diese nicht alle überblicken und anwenden. Mit Scheidungskostenrechnern können Sie die Scheidungskosten berechnen lassen. Es ist jedoch empfehlenswert, sich von einem Anwalt beraten zu lassen. Zusätzlich sollten Sie genau überlegen, ob ein Sieg vor Gericht auch nach Abzug der Scheidungskosten noch immer ein Gewinn ist.

Anwaltskanzlei Anke Knauf